FKBS-Rundschreiben v. 09.11.2020

An alle Mitglieder und Interessenten

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde,
Geschichte kennt keine Grenzen, weder zeitliche noch räumliche. Sie kennt kein Anhalten, keinen Stillstand, keine Korrekturen, erst recht kein „Ungeschehen machen“!

Unbeeinflussbar durch menschliche Macht registriert sie sowohl herausragende Ereignisse zum Wohle der ganzen Menschheit als auch totales Versagen und groben Missbrauch der Freiheit. Dem, was geschehen ist, können wir faktisch nicht entrinnen.

Heute vor 82 Jahren, am 09. November 1938, brannten die Synagogen. - Der Beginn eines Völkermords in Europa. Wieder werden wir an etwas erinnert, was wir nicht rückgängig machen können. Das Schlimme ist: Der Geist der Reichspogromnachtist nicht Vergangenheit, sondern tobt nach wie vor in den Köpfen vieler Unbelehrbaren. Unsere Glaubwürdigkeit wird geopfert, wenn wir daraus keine der Freiheit und der Menschenwürde hinreichend verpflichteten Konsequenzen ziehen.

Halbherzige Bekenntnisse und beschwichtigende Feststellungen, es handele sich nur um eine Minderheit, haben den Hetzern, Gewalttätigen und Verschwörern gegen Juden eher mehr ungehemmten Raum gegeben.

Sind die mittlerweile unzähligen An- und Übergriffe und Hetzparolen auf Juden und ihre Einrichtungen, aber auch auf friedliebende Muslime, nicht genug Schandtaten, um die fragwürdige Toleranz gegenüber den Extremisten von beiden Seiten und den fundamentalistischen Islamisten endlich entschiedener mit allen Mitteln unseres Rechtsstaates wirksam zu stoppen?

Genügen die schrecklichen, grausamen Attentate von Wien, Paris, Dresden, Nizza, Halle und viele andere immer noch nicht, um der drohenden Vergiftung unserer Kultur und Gesellschaft sowie dem wachsenden, unverhohlenen Antisemitismus deutlicher entgegenzutreten? Wo bleibt unsere Solidarität mit denen, die sich klar gegen den islamistischen Terror positionieren und unsere Unterstützung brauchen?

In vielen aktuellen Gesprächen mit unseren Freunden in Israel, vor allem in unserer Partnerstadt Be’er Sheva, kommt die tiefe Sorge über die Entwicklung der Judenfeindlichkeit in Deutschland und Europa zum Ausdruck. Nichts darf uns dazu verleiten, die Geschichte zu verdrängen oder zu vergessen. Und nichts darf uns daran hindern, die Ursachen des wachsenden Terrors beim Namen zu nennen. Wir tragen eine große Verantwortung.

„Corona“ hat uns zwar mächtig ausgebremst, aber unsere Arbeit nicht zum Stillstand gebracht.
Der Vorstand wird in der nächsten Woche über die Möglichkeit beraten, zu Beginn des nächsten Jahres die nach der Satzung fällige Mitgliederversammlung mit Wahlen rechtssicher zu organisieren und durchzuführen.
Hierzu folgen zeitnah weitere Informationen.

Das ursprünglich für den Europatag 2020 vorgesehene Städtepartnerschaftsfest soll, wenn es die Pandemie- Entwicklung erlaubt, im Mai 2021 stattfinden. Der Arbeitskreis der Vorsitzenden der Städtepartnerschafts- und Freundschaftsvereine in Wuppertal hat u. a. dafür bereits mehrfach getagt und intensiv beraten.

Das Jahr 2021 erinnert uns an 1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland. Wir werden uns in geeigneter Weise an dem Jubiläum aktiv beteiligen und von den geplanten Aktionen rechtzeitig berichten.

Ende 2019 haben wir das Schwebebahn-Modelloffiziell verabschiedet und „in die Wüste“ geschickt. Nun hat es b. a. w. einen sicheren Platz im Innenhof der Municipal Dance Company in Be’er Sheva (Kamea) gefunden. Auch wenn noch nicht alles fertig ist, „schwebt“ das Wuppertaler Wahrzeichen über einer farbig gestalteten Nachahmung der Wupper und erfreut täglich viele Mitarbeiter und Besucher.

Wir melden uns bald wieder und wünschen Ihnen, allen Mitgliedern und Freunden, dass Sie gesund bleiben.

 

Herzlichen Gruß, auch vom gesamten Vorstand, und Shalom

Arno Gerlach

Schwebebahn-Modell
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